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PostHeaderIcon Skandal am Badesee? Skandal bei der Berichterstattung!

In einem Badesee bei Trittau (Schleswig-Holstein, im Landkreis Stormarn) kam es am Freitag, den 16. Juli 2010 zu einem Badeunfall, bei dem ein 68jähriger Mann ums Leben kam. Das allein ist schon schlimm genug. Wie die DLRG in einer Stellungnahme mitteilt, sei der Mann wohl außerhalb des geschützten Bereichs unterwegs gewesen und zudem außerhalb der Wachzeiten der örtlichen DLRG. Andreas Lerg von Lerg Media ist nun bei T-Online auf einen Videobeitrag des Portals “NonstopNews” gestoßen, in dem schwere Vorwürfe gegen die Helfer der DLRG erhoben werden. Lerg wirft in einem Beitrag seines eigenen Blogs dem Portal vor, sich in dem Video einseitig auf Augenzeugenaussagen zu stützen, ohne die Stellungnahme der DLRG abzuwarten, die durch die Aussagen schwer angegriffen wird. Dadurch wird der ganze Bericht tendenziös und konstruiert einen Skandal.

Als jemand, der mittlerweile fast 20 Jahre im Rettungsdienst arbeitet, fällt mir dabei wieder einmal folgendes auf: der Jugendliche, der in dem Video befragt wird, empört sich – genauso wie der Redakteur, der den Artikel zu dem Video verfasst hat – darüber, die Retter hätten angeblich gesagt, sie “schützen lieber ihr eigenes Leben”, anstatt etwas zu tun. Ich möchte wetten, die Retter haben das weniger dramatisch formuliert, aber im Kern ist die Aussage richtig. NIEMAND kann von uns Helfern erwarten, dass wir unser eigenes Leben aufs Spiel setzen, um jemand anderen zu helfen. Und was sollte das auch bringen? Natürlich kann es gut ausgehen, aber was ist, wenn das nun mal nicht der Fall ist? Dann wäre nicht nur eine Person – nämlich das ursprüngliche Opfer – zu retten gewesen, sondern gleich zwei oder drei. Dem in Not Geratenen wäre nicht damit geholfen, dass der Helfer selbst in Not gerät. Und auf eine Grabrede, dass ich “in Ausübung meiner Pflicht” ums Leben gekommen wäre, kann ich – und vermutlich jeder andere auch – verzichten.

Damit soll kein falscher Eindruck entstehen – ich weiß, dass ich als Helfer in der Pflicht stehe, und dem folge ich auch. Allerdings habe weder ich noch andere Helfer – egal ob Feuerwehr, Rettungsdienst, DLRG oder wer auch immer – so eine Art “Kamikaze-Vertrag” abgeschlossen. In der Ausbildung wird uns immer wieder eingebleut – “Selbstschutz geht vor!” Und manchmal muss man auf die Helfer warten, die entsprechend ausgerüstet sind (in dem Fall waren das die Rettungstaucher). Das ist hart, aber vernünftig. Gerettet wird so, dass niemand anderer mehr in Not gerät.

Was offenbar auch niemand bedenkt – die Angehörigen eines Helfers kann es hinterher besonders hart treffen. Nicht nur, dass sie einen lieben Menschen verloren haben, die Versicherungen können sich querstellen und die Zahlung verweigern, wenn der entsprechende Helfer beispielsweise gegen Standards verstoßen hat.

Meine persönliche Ansicht ist, dass wir mal wieder bei meinem Lieblingsthema angekommen sind, nämlich dem Bild von Rettungskräften in der Öffentlichkeit und wie dieses geprägt wird (Stichwort “Fernsehen“…). Dass die Jugendlichen ein offenbar falsches Bild von der Arbeit der Rettungskräfte haben, ließe sich in dem Fall noch verschmerzen, aber dass Journalisten auf den Zug aufspringen und daraus gleich einen “Skandal” machen, ohne die Stellungnahme der beschuldigten DLRG abzuwarten, ist ein Armutszeugnis. Sieht so der neue “Qualitätsjournalismus” aus, von dem alle reden? Aufgabe der Journalisten wäre es gewesen, beide Seiten zu betrachten und zu Wort kommen zu lassen. So werden die Helfer aber als Menschen dargestellt, die lieber Feierabend haben, als zu helfen und wenn sie sich dann dazu aufraffen, dann sind sie nur halbherzig bei der Sache und machen doch nix. Kein Wunder, dass sich immer weniger Menschen dazu bereitfinden, diese Arbeit zu machen.

Ich habe übrigens des strittigen Videobeitrag hier mit Absicht nicht verlinkt, weil ich das nicht möchte. Wer ihn sehen möchte, um sich ein eigenes Bild zu machen, der gehe bitte auf den Artikel von Andreas Lerg (oben verlinkt), er hat sowohl das Video als auch den “Anreißer-Artikel” verlinkt. Wenn der geneigte Leser mich nun bitte entschuldigen würde, ich muss gerade mal was gegen meinen Frust machen.

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