STAR TREK Into Darkness – Rezension

„Der Weltraum. Unendliche Weiten…“

Alice Eve, Simon Pegg, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Chris Pine und director J.J. Abrams bei der Premiere von 'Star Trek Into Darkness' in Berlin am 29. April 2013. (Photo by Sean Gallup/Getty Images for Paramount Pictures)

Alice Eve, Simon Pegg, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Chris Pine und Regisseur J.J. Abrams bei der Premiere von ‚Star Trek Into Darkness‘ in Berlin am 29. April 2013. (Photo by Sean Gallup/Getty Images for Paramount Pictures)

Eine Warnung gleich vorweg: In diesem Artikel wird es zu so genannten „Spoilern“ kommen, also dass ich wesentliche Teile der Handlung verraten werde. Das hat aber einen guten Grund: STAR TREK ist mit eine der Serien, die mich als Science-Fiction-Fan geprägt hat. Ich werde aber nochmal rechtzeitig warnen, bevor es ans „Eingemachte“ geht. Wer sich die Spannung bei dem Film nicht verderben lassen will, sollte den letzten Absatz dieses Artikels ab der Spoilerwarnung nicht lesen.

STAR TREK lebt?

Als die ersten Videos zum neuen Film „STAR TREK Into Darkness“ aufkamen, beschlich mich ein ungutes Gefühl. Allein der Titel „Into Darkness“ schien allem zu widersprechen, was ich mit STAR TREK verbinde. Die Bilder, die die Trailer zeigten, bestärkten mein ungutes Gefühl noch, sah ich doch offenbar ein in ein Drehbuch gequetschtes Elfter-September-Trauma-Spektakel und Filmzitate wie

Stimme von Pike: Bei der Starfleet geht es nicht um Rache!
Stimme von Kirk: Vielleicht sollte es das aber.

führten nicht unbedingt dazu, dass ich mich besser fühlte. Ich fand den „Neustart“ der Serie mit „STAR TREK (2009)“ noch sehr gelungen und gut umgesetzt. Und nun? Sollte „Into Darkness“ nicht nur der Titel des zweiten Films der neuen Reihe sein, sondern auch eine Situationsbeschreibung des STAR-TREK-Franchise, das nunmehr endgültig ins Dunkel stürzt, indem es alles, was die Serie einst ausmachte, über Bord wirft wie ein Sternzerstörer seinen Müll, bevor er in den Hyperraum fliegt? Okay, diese Analogie bezieht sich auf STAR WARS, aber egal: Mein Gefühl war nicht das Beste, als ich mit unserer Science-Fiction-Gruppe gestern Abend in Stuttgart der Premiere für die Öffentlichkeit beiwohnte.

STAR TREK lebt!

Die Geschichte beginnt auf dem Planeten Nibiru, auf dem eine primitive Spezies lebt, die „gerade erst mal das Rad erfunden“ hat (Zitat Pike). Die Crew der ENTERPRISE versucht, einen Vulkan am Ausbrechen zu hindern, was eine planetare Katastrophe nach sich ziehen würde. Da Kirk bei diesem Manöver die Erste Direktive verletzt (das Gebot der Nicht-Einmischung), wird er zum Commander degradiert, sein Schiff unter das Kommando von Admiral Pike gestellt und Spock zwangsversetzt. Doch da kommt eine Krise dazwischen: John Harrison, ein ehemaliger Agent einer geheimen Abteilung innerhalb der Flotte (Sektion 31) begeht in London einen Anschlag auf ein Archiv der Flotte. Als sich der Führungsstab der Flotte im Hauptquartier einfindet, wird ein weiterer Anschlag verübt, bei dem Pike ums Leben kommt. Scotty kann die Spur des Flüchtigen verfolgen, offenbar hält er sich auf Kronos, der Heimatwelt der Klingonen auf. Jedwedes Eingreifen von Seiten der Föderation könnte in einen Krieg mit den Klingonen münden. Admiral Marcus gibt daraufhin die ENTERPRISE an Kirk als Captain zurück, teilt ihm Spock als Ersten Offizier zu und lässt das Schiff mit neuartigen Langstreckentorpedos aufrüsten. Die ENTERPRISE soll an den Rand der Neutralen Zone manövrieren und von dort aus das Gebiet auf Kronos bombardieren, wo sich Harrison aufhält. Mit den Torpedos kommt eine Wissenschaftsoffizierin an Bord, die – so findet Spock heraus – einen falschen Namen angegeben hat: In Wahrheit handelt es sich um Carol, die Tochter von Admiral Marcus. Aufgrund moralischer Bedenken von Seiten Spocks entschließt Kirk, die Aktion abzuändern. Ein Außenteam dringt mit einem beschlagnahmten Frachtschiff nach Kronos vor und versucht, Harrison festzusetzen, damit er den Gerichten ausgeliefert werden kann. Niemand von der ENTERPRISE ahnt, dass bei der ganzen Geschichte die Dinge nicht so sind, wie sie aussehen…

Are you afraid of the Dark…

Zunächst einmal mein Eindruck ohne Spolier: Wow! Ich schrieb oben von meinen Bedenken, die ich vor dem Kinobesuch hatte, doch die wurden alle zerstreut. Ich befürchtete, der Film könnte die unterschwellige Botschaft transportieren: „Seht her, wir – die USA – leiden noch unter den Folgen des 11. September und haben jedes Recht, andere Völker mit Krieg zu überziehen!“ Es gibt genügend Filme und auch Fernsehserien, die das tun. „STAR TREK Into Darkness“ tut das nicht, sondern bleibt STAR TREK. Die Serie war schon immer ein Kind ihrer Zeit. Als das Original ins Fernsehen kam, herrschte auf der Erde gerade der „Kalte Krieg“, und das fand sich als Konfrontation zwischen den Menschen und den Klingonen auch in der Serie wieder. Aber anstatt die Kriegsparanoia der damaligen Zeit wiederzugeben, ging STAR TREK einen anderen Weg. Es gab etliche Episoden, in denen die friedvolle Lösung propagiert wurde und dass die Wesen „auf der anderen Seite des Zauns“ nicht dumpfe Primitivlinge sind, sondern Wesen mit einer eigenen Kultur und Intelligenz, mit denen man verhandeln kann. Sogar das Ende des Sowjetreichs wurde mit dem Kinofilm „STAR TREK VI: Das unentdeckte Land“ gewürdigt.

Der Neustart von STAR TREK 2009 hat die Serie nicht nur von der Ausstattung her in die Gegenwart geholt, spätestens seit „Into Darkness“ ist sie das auch von der Handlung her. Die Analogie mit dem Terroristen John Harrison, seiner Hintergrundgeschichte und dem Anschlag spricht Bände. Auch die Bemühungen von Admiral Marcus, die Sternenflotte in eine militärische Organisation umzubauen, reflektiert die Paranoia wieder, die seit „dem“ 11. September in den USA und anderswo herrscht und die zum Krieg in Afghanistan und im Irak geführt hat. Und wie schon in den 1960er Jahren so setzt STAR TREK auch heute noch einen Gegenpunkt. Allein dass Kirk nicht blind die Befehle seines Vorgesetzten befolgt, die direkt in einen Krieg zwischen den Klingonen und der Föderation führen würden, spricht hier Bände.

Tricktechnisch ist der Film natürlich ein Spektakel, vor allem mit der 3D-Technologie, wobei diese Effekte hier eigentlich nie um des Effektes Willen eingesetzt werden, sondern sich nahtlos in die Handlung einfügen. Und a propros Handlung: Auch diese ist hervorragend geschrieben, nicht nur wegen des bereits erwähnten „Geistes“ von STAR TREK, sondern auch wegen der vielen Anspielungen, die natürlich nur die Fans mitbekommen, die hier aber das Sahnehäubchen sind. Wer STAR TREK nicht so gut kennt, hat hier einen hervorragenden Film, der ihn / sie der TREK-Philosophie nahebringt, Fans können sich auf Zitate und Anspielungen unter anderem auf die Classic-Episoden „Die Frauen des Mister Mudd“ oder „Kennen Sie Tribbles?“ freuen, sowie auf Anspielungen auf die „Classic-Kinofilme“ (mehr dazu im Spoilerbereich weiter unten).

Mein Fazit ohne zu viel zu verraten: Der Film lohnt sich sowohl für STAR-TREK-Fans als auch „Nicht-Fans“. Er holt die Serie in die Gegenwart und ist ein wohltuender Gegenpunkt zur ständigen Kriegsrhethorik, die uns in anderen Filmen und Fernsehserien begegnet. Genau so wie es sein sollte.

…say, are you scared of me?

So, hier kommt der SPOILER-Bereich! Nochmal die Warnung, wer sich die Spannung in dem Film nicht verderben will, sollte ab hier NICHT WEITERLESEN!

Die anderen Episoden, auf die in dem Film angespielt wird, sind unter anderem „Der schlafende Tiger“ („Space Seed“), „STAR TREK 2: Der Zorn des Khan“ und „STAR TREK 3: Die Suche nach Mr. Spock“. Denn bei John Harrison handelt es in Wirklichkeit um niemand anderen als Khan Noonian Singh, einem der genetisch veränderten „Supermenschen“, die im STAR-TREK-Universum in den 1990er Jahren zu den Eugenischen Kriegen geführt haben. Eine Expedition der Sternenflotte hat offenbar die BOTANY BAY, das Schläferschiff, mit dem man die genetisch veränderten Menschen in Kryostasis ins All geschossen hat, aufgebracht und Khan aufgeweckt. Marcus hat sich daraufhin dessen überlgenden Intellekt zunutze gemacht, um die Sternenflotte in eine mehr militärische Organisation „umzubauen“. Doch Khan überlistet Marcus und beginnt einen Rachefeldzug. Seine Ähnlichkeit mit den „Terrorfürsten“ unserer Zeit, die zuerst von jenen Staaten aufgebaut werden, gegen die sie sich dann letztlich mit ihrem Terror wenden, ist nicht zu übersehen. Auch der Umstand, dass Khan am Schluss ein Raumschiff in das Hauptquartier der Sternenflotte stürzen lässt, hat unübersehbare Parallelen mit dem 11. September. Doch anders als in der wirklichen Welt reagiert man bei STAR TREK besonnen. Und so beginnt die ENTERPRISE am Ende des Films ihre legendäre Fünf-Jahres-Mission, um fremde Welten zu entdecken, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die ENTERPRISE in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Der nächste Film soll anlässlich des 50jährigen Jubiläums von STAR TREK 2016 herauskommen. Da J. J. Abrams bis dahin allerdings mit der Produktion von STAR WARS Episode VII beschäftigt ist, wird jemand anders den neuen STAR-TREK-Film übernehmen. Ich bin schon gespannt darauf und hoffe, dass man den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Denn auch wenn der Titel des Films „Into Darkness“ lautet, STAR TREK stürzt nicht in die Dunkelheit. Vor allem hat die neue Filmreihe eines schon geschafft: Sie hat zwei gute Filme hintereinander herausgebracht. Bei der alten Filmreihe wechselten sich ständig hervorragende Filme mit nicht ganz so guten Filmem ab.

Alles das macht gute Hoffnung für die Zukunft. Und so gehört es sich für STAR TREK!

STAR TREK LEBT!

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