STAR WARS – Episode 1: Die dunkle Bedrohung [Rezension]

Die dunkle BedrohungIn der Galaktischen Republik kommt es zur Krise, als die Handelsrouten zu weit entfernten Sternensystemen besteuert werden sollen. Aus Protest dagegen fährt die Handelsföderation eine Armee von Raumschiffen auf und versucht, den Planeten Naboo zu besetzen. Allerdings zieht Darth Sidious, ein undurchsichtiger Charakter, im Hintergrund die Fäden der Invasion, Vizekönig Gunray von der Handelsföderation ist nicht ganz Herr über seine Lage.
Mit Hilfe der Jedi-Ritter Qui-Gon Jin und Obi-Wan Kenobi gelingt der Königin Amidala von Naboo die Flucht, bei der allerdings ihr Raumschiff beschädigt wird. Da sie so Coruscant, den Zentralplaneten der Republik, nicht erreichen können, müssen sie auf dem entlegenen Planeten Tatooine notlanden. Beim Versuch, Ersatzteile zu beschaffen, wird Qui-Gon auf einen kleinen Jungen mit Namen Anakin Skywalker aufmerksam, der über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Die Jedi kennen eine alte Prophezeiung, dass ein Auserwählter kommen wird, der der Macht das Gleichgewicht zurückgeben wird. Qui-Gon ist sich sicher, diesen Auserwählten gefunden zu haben. Er bringt ihn nach Coruscant, doch die anderen Jedi sind nicht zu enthusiastisch wie er, mal ganz davon abgesehen, dass die Krise um Naboo im Vordergrund steht.
Hier offenbart sich, wie verkommen die Republik mittlerweile ist: Anstatt eine Lösung zu finden, wird das Problem vertagt. Als Königin Amidala empört den regierenden Kanzler Valorum angreift und dessen Abwahl verlangt, lässt sich Palpatine, der Senator von Naboo, für die Neuwahl aufstellen. Amidala aber kehrt nach Naboo zurück. Sie will ihr Volk selbst von der Handelsföderation befreien. Qui-Gon Jin, Obi-Wan und Anakin begleiten sie, nicht ahnend, dass Darth Maul, der Schüler von Darth Sidious, bereits auf sie wartet…

  • Rezension

George Lucas hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich bei seiner Geschichte von klassischen Mythen und ihren Strukturen beeinflussen ließ. Und genau so eine mythische Geschichte ist STAR WARS. Episode 1 ist eine relativ linear verlaufende Abenteuerstory, die innerhalb dieses Mythos die Funktion hat, den Boden vorzubereiten. In der Mythologie nennt man das “die Welt des Helden”, der Zuschauer (oder Leser, falls es sich um einen Roman handelt) wird vertraut gemacht mit der Umgebung, in der die künftigen Ereignisse stattfinden werden. Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht umhin komme, teilweise Plotverläufe aus zukünftigen Episoden offen zu legen. Sollte dies also tatsächlich jemand lesen, der STAR WARS nur vom Hörensagen kennt und sich überlegt, ob er es mal anschauen soll, so möchte ich warnen: Das ist keine Rezension im üblichen Sinn, hier wird die ganze Geschichte – einschließlich eventueller Überraschungen – dargestellt.

Sie sind noch hier? Freut mich! Dann lassen Sie uns weitermachen mit der “Welt des Helden”.

Als erstes lernen wir von dieser “Galaxis weit, weit von hier entfernt”, wie uns das Vorwort informiert, dass es eine so genannte Republik gibt. Diese Republik umfasst offenbar die Welten der ganzen bekannten Galaxis, was uns der Sitzungssaal im Senat deutlich vor Augen führt. Abertausende Podien befinden sich dort, mit den Senatoren, die Abgeordnete ihrer jeweiligen Welten sind. Doch die Republik befindet sich keinem guten Zustand. Die Bürokraten haben dort das Ruder in die Hand genommen. Jede noch so gut gemeinte Initiative wird mit bürokratischen Verfahrensfragen überhäuft und in ihr Gegenteil verzerrt. Einzelne Welten sind inzwischen so weit, dass sie zu Separatisten geworden sind – in Episode 2 wird es sich um eine ganze Bewegung handeln. Zum Zeitpunkt, da die Geschichte beginnt, drückt die Handelsföderation ihren Protest gegen die Besteuerung von Handelsrouten auf eine sehr aggressive Weise aus: Sie bringt eine Invasionsarmee zu dem kleinen Planeten Naboo und will dessen Königin Amidala dazu zwingen, ein Abkommen zu unterzeichnen, das die Invasion legitimiert. Im Film wird es nicht herausgearbeitet, aber vermutlich wäre Naboo damit Teil der Föderation geworden – und Handelszölle würden dann wegfallen. Der Kanzler der Republik, Valorum, ist sich des Dilemmas sehr wohl bewusst. Naboo liegt sehr weit entfernt vom Zentralplaneten Coruscant, bis man verlässliche Nachrichten von dort hat, die die Senatoren überzeugen würden, innerhalb des Senats gegen die Handelsföderation vorzugehen, würde viel zu viel Zeit vergehen. In der Zwischenzeit würde die Föderation die nötigen Schritte unternommen haben, die Invasion zu legitimieren. In seiner Not wendet sich der Kanzler an die Jedi.

Die Jedi, oder Jedi-Ritter, sind ein Orden mit einer sehr langen Tradition. Sie sind Meister der so genannten Macht, einem mystischen Energiefeld, das von allen lebenden Dingen erzeugt wird. Wie wir etwas später erfahren, ist dafür eine mikroskopisch kleine Lebensform verantwortlich, die man Midichlorianer nennt. Das Konzept der Midichlorianer wurde von George Lucas erst bei Episode 1 eingeführt, und er ernetete dafür herbe Kritik. Er habe der Macht damit die Mystik geraubt, hieß es. Doch das muss nicht notwendigerweise sein. Immerhin handelt es sich bei der Galaxis, in der die Geschichte spielt, um eine hochtechnisierte Welt. Wenn es also etwas gibt, das wissenschaftlich belegt, dass es eine Macht geben muss, ist das ein großer Fortschritt. Ich möchte dazu einen Vergleich hernehmen: Es gibt verschiedene Theorien, die besagen, dass die Menschen ein kollektives Unterbewusstsein haben. Beweisen konnte man das bisher nicht, es gibt nur sehr vage Hinweise, die sich nicht immer belegen lassen. Stellen wir uns einmal vor, Neurologen würden morgen in den Nachrichten verkünden, sie hätten den Bereich im menschlichen Gehirn identifiziert, der tatsächlich Kontakt mit dem kollektiven Unterbewusstsein hat, über das der Mensch unbewusst Informationen von anderen Menschen aufnehmen kann. Dann wäre es endlich möglich, in eine bestimmte Richtung zu forschen, wie der Mensch mit den Kollektiv Kontakt aufnimmt, gleichzeitig wären die ganzen Diskussionen beendet, die die Existenz eines solchen Unterbewusstseins anzweifeln. Es gibt das kollektive Unterbewusstsein – basta! Lasst es uns erforschen.

So ähnlich stelle ich mir das mit den Jedi und den Midichlorianern vor. Über die Midichlorianer können Menschen in Kontakt mit der Macht kommen und verschiedene Dinge tun (Gegenstände bewegen, ohne sie zu berühren, andere Menschen geistig manipulieren und mehr). Als die Jedi das erfuhren, konnten sie ihre Erforschung der Macht in eine bestimmte Richtung lenken. Es war dann auch keine Glaubensfrage mehr, man konnte belegen: Ja, es gibt die Macht, auch wenn es Menschen gibt, die ihre Anwesenheit offenbar nicht wahrnehmen können. Es gibt Menschen, die für die Botschaften der Midichlorianer empfänglich sind, andere sind es nicht. Leider sorgte das dafür, dass sich die Jedi ziemlich vom Rest der Welt abgekanzelt haben. Zwar spielen sie innerhalb der Republik die Rolle der Friedenshüter, aber die meiste Zeit bleiben sie unter sich. Sie haben sehr starre Regeln aufgestellt, um der hellen Seite der Macht zu folgen. Das ist ihr oberstes Prinzip. Alles, was zur dunklen Seite gehören könnte, lehnen sie ab. Aus diesem Grund wird die Jedi-Ausbildung auch in frühester Kindheit begonnen, damit man die Kinder besser lenken kann. Ähnlich einem Mönchsorden gibt es verschiedene Gefühle und Regungen innerhalb der menschlichen Natur, die bei den Jedi verpönt sind. Romantische Liebe gehört beispielsweise dazu, ebenso Hass, Wut oder Angst. Furcht, so erfahren wir, ist der Pfad zur dunklen Seite der Macht. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu Leiden. Das einfache Rezept der Jedi lautet: Unterbrich die Kette! Keine Furcht, keine Wut, kein Hass. In Episode 2 wird die fatalistische Komponente dieses Prinzips sogar nocht deutlicher dargelegt: Um tote Freunde soll man nicht trauern, sondern froh sein, dass sie in die Macht eingehen durften. Denn natürlich führt auch Trauer zu Wut. Trauer ist eine Komponente der Liebe, denn man betrauert ja nur ein Lebewesen, für das man etwas empfunden hat. Also lautet auch hier das “Patentrezept” der Jedi: Rotte das Übel mit der Wurzel aus. Abhängigkeit aus Liebe ist verboten. Und wenn die Jedi ihre Schüler bereits im Kleinkindalter von den Eltern wegholen, können sie sicher sein, dass sie die emotionale Bindung zu diesen überwinden können.

Die ersten Jedi in Episode 1, die wir kennenlernen, sind der Meister Qui-Gon Jin und sein Padawan-Schüler Obi-Wan Kenobi. Qui-Gon ist ein sehr ungewöhnlicher Jedi, denn er pfeift auf die Regeln, wenn sie einer guten Sache im Weg stehen. Eigentlich wäre er in den Rat berufen worden, dem Organ der geistigen Führer der Jedi, aber er hat es abgelehnt. Er hat seinen eigenen Kopf und ist offen für neue Ideen, ganz im Gegensatz zu allen anderen, denen offenbar nur daran gelegen ist, den “Status Quo” zu erhalten. Die Aufgabe der beiden Abgesandten ist scheinbar ganz einfach: Sie sollen mit dem Vizekönig der Handelsföderation, Nute Gunray, Verhandlungen führen, die Blockade von Naboo aufzugeben. Qui-Gon bezeichnet die Abgesandten der Föderation gegenüber Obi-Wan als Feiglinge und schätzt, dass die Verhandlungen nicht sehr lange gehen. Etwas später meint Obi-Wan ironisch, Qui-Gon hätte recht gehabt – lange hätten die Verhandlungen nicht gedauert: Statt zu verhandeln versucht Gunray, die Jedi zu töten.

Dieses Manöver irritiert Qui-Gon. Was er nicht weiß: Die Handelsföderation handelt nicht ganz aus eigenem Willen. Darth Sidious, ein dunkler Lord der Sith ist die treibende Kraft bei der Invasion. Die Sith sind das genaue Gegenteil der Jedi, sie sind Anhänger der dunklen Seite der Macht. Wo die Jedi sich vor Emotionen scheuen, da gehen sie ganz hinein. Leidenschaft, Furcht und Macht über andere, das ist ihr Credo. Der letzte Konflikt zwischen den Sith und den Jedi ist 1000 Jahre her und war eigentlich für die Sith fatal gewesen, so dass die Jedi davon ausgingen, dass sie damals ausgelöscht wurden. Tatsächlich überlebten die Sith und wirkten im Geheimen, verborgen vor ihren Gegnern. Ihnen war klar geworden, dass sie die Jedi mit ihren eigenen Waffen schlagen müssen, und dass die Taktik “Auf sie mit Gebrüll!” nicht immer zum Ziel führt. Insofern ist die Handelsföderation nur eine Schachfigur in dem Spiel, das die Sith eröffnet haben, und dessen Ziel lange nicht klar. Dazu kommen wir gleich noch ausführlicher.

Nun haben wir in unserer Geschichte also die zwei Gegenpole, wie sie deutlicher nicht sein könnten: Hier die “gute Seite”, die helle Seite der Macht, verkörpert durch die Jedi und die Republik, dort die “böse Seite”, die dunkle Seite der Macht, verkörpert durch die Sith und ihrer Handlanger.

Qui-Gon und Obi-Wan gelingt es, nach Naboo zu entkommen. Dabei stößt Qui-Gon auf ein Wesen mit Namen Jar Jar Binks, einem Gungan. Diese intelligente amphibische Lebensform lebt ebenfalls auf Naboo, will aber mit den Menschen nichts zu tun haben. Jar Jar, der von seinem eigenen Volk verbannt wurde, begleitet die beiden Jedi fortan, zunächst noch als Führer. In der Geschichte nimmt er die Rolle des Narren ein, der einfach nur im Leben zurecht kommen will und damit sehr häufig schlichtweg überfordert ist. Er ist aber kein “weiser Narr”, also einer, der nur so tut, als wäre er einfältig, er ist es wirklich. Das wird dazu führen, dass man seine Einfältigkeit ausnutzen wird, so dass er eigentlich – neben Anakin Skywalker – zu einer der tragischsten Figuren der ersten drei Teile wird.

Durch Jar Jahrs Hilfe gelangen Qui-Gon und Obi-Wan schließlich zur Hauptstadt des Planeten, wo sie mit Königin Amidala Kontakt aufzunehmen. Die junge Königin der Naboo will ihrem Volk bei dieser Invasion beistehen, sieht schließlich jedoch die Notwendigkeit ein, vor dem Senat zu sprechen und um Unterstützung zu bitten, damit die Handelsföderation in ihre Schranken gewiesen werden kann. Die Jedi befreien gefangene Piloten, die aus der besetzten Hauptstadt entkommen, sie selbst fliehen mit einem Raumschiff. Es gelingt ihnen dank des Astromech-Droiden R2D2, die Blockade zu durchbrechen, dabei wird das Schiff aber so schwer beschädigt, das es aus eigener Kraft nicht mehr nach Coruscant kommen kann. Der nächstgelegene Planet, der für eine Landung und die notwendigen Reparaturen geeignet scheint, ist die Wüstenwelt Tatooine im Outer Rim.

Auf Tatooine lernen wir eine weitere Seite der Republik kennen: die benachteiligten Regionen. Der Planet ist so weit entfernt von der Hauptwelt, dass hier andere Gesetze gelten. Die Hutts, eine Gangsterbande von Nal Hutta, haben den Planet unter ihre Kontrolle gebracht. Gerechtigkeit gibt es hier nicht, alles hängt vom Wohlwollen der obersten Gangster ab. Es gibt hier sogar Sklaverei, obwohl die Republik Sklaverei verboten hat. “Die Republik existiert hier draußen nicht!”, mit diesen Worten fasst Shmi Skywalker die Situation zusammen.

Shmi ist die Mutter eines neunjährigen Jungen, Anakin Skywalker, der als Sklave bei dem Schrotthändler Wattoo arbeitet. Wattoo ist Toydarianer, einem Volk, das immun ist gegen die geistige Manipulation der Jedi mit Hilfe der Macht (“Geistige Tricks funktionieren bei mir nicht – nur Geld!”). Daher konnte Qui-Gon Wattoo nicht davon überzeugen, Geld in Form der Standardwährung der Republik für die nötigen Ersatzteile anzunehmen. Während er noch versucht, auf eine Lösung zu kommen, wird er von Anakin zu sich nach Hause eingeladen. Hier erfährt er, dass Anakin trotz seines jungen Alters ein routinierter Podfahrer ist. Dabei handelt es sich um Rennen, bei denen der Fahrer in einer Kapsel sitzt, die von starken Antigravitationsmotoren gezogen wird. Menschen können normalerweise bei den unglaublichen Geschwindigkeiten nicht schnell genug reagieren, das bringt Qui-Gon auf die Idee, dass der Junge etwas besonderes sein muss. Er lässt dessen Midichlorianer-Wert überprüfen – und siehe da, dieser ist höher als bei jedem bisher bekannten Jedi.

Hierbei handelt es sich um die erste Schlüsselstelle der Geschichte. Später im Verlauf der Geschichte wird die Rede davon sein, dass es bei den Jedi eine Prophezeiung gibt: Eines Tages soll der Auserwählte kommen, der der Macht das Gleichgewicht zurückbringt. Denn das Gleichgewicht ist in der Tat aus den Fugen geraten. Die Jedi deuten die Prophezeiung aber falsch, zumindest vordergründig, sie gehen nämlich davon aus, dass es bedeutet, dass die Sith endgültig vernichtet werden. Warum das ein Irrtum ist, dazu komme ich gleich.

Was von vielen Fans mit Befremden aufgenommen wurde, ist die Verbindung zwischen Anakin und Padmé, die sich bereits in diesem Film abzeichnet. Padmé ist angeblich eine Dienerin von Königin Amidala, die Qui-Gon auf seinem Ausflug auf Tatooine begleitet, in Wahrheit ist sie aber die Königin selbst, die ein doppeltes Spiel spielt, um sich zu schützen. Was einem irritierend vorkommen mag: Anakin ist neun Jahre alt, Padmé über zwanzig. Aber es kommt vor, dass auch bei einem Jungen in diesem Alter die Gefühle etwas verrückt spielen und er sich – um dieses etwas aus der Mode gekommen Wort zu verwenden – “verknallt”, auch in bereits erwachsene Frauen. Man kann das sehr deutlich daran sehen, wie Anakin versucht, Padmé zu imponieren, er zeigt ihr den Droiden C3PO, den er selbst konstruiert hat, und den Podrenner, den er gebaut hat. Eigentlich gehört es zum Reifeprozess eines Jungen, mit solchen Verliebtheiten klarzukommen. Normalerweise unterstützt diesen dabei der Prozess des “Erwachsenwerdens”, wenn die Hormone dazukommen und man sich in gleichaltrige Mädchen verliebt. Anakin wird diese Möglichkeit aber genommen, denn er wird am Ende dieser Episode dem Jedi-Orden beitreten und damit quasi zölibatär leben. Er kompensiert das auf seine Weise, indem er seine kindliche Liebe zu Padmé Aufrecht erhält und vermutlich etwas zelebriert, das der so genannten “Minne”, der höfischen Liebe des Mittelalters, gleichkommt. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: Die “Minne” war rein platonisch, zwar hegte ein Ritter für seine Dame “freundlich liebende Gedanken” und machte ihr den Hof, aber ihm war bewusst, dass daraus nicht mehr folgen würde. Bei Anakin ist das anders, wie wir erfahren werden, er hat zwischen Episode 1 und Episode 2 zehn Jahre Zeit, sich Padmé in seinen Gedanken zur “idealen Geliebten” hochzustilisieren.

Padmé selbst ist in Episode 1 gegenüber Anakin noch relativ indifferent, sie weiß, was sie ihm dadurch, dass er das Podrennen fährt und letztlich auch gewinnt, zu verdanken hat. Romantische Gefühle sind dabei für sie nicht im Spiel, allerhöchstens Gefühle, wie sie eine große Schwester für ihren kleinen Bruder empfindet.

Mit dem erfolreich absolvierten Podrennen kommt ein großer Einschnitt in Anakins Leben. Qui-Gon hat zuvor mit Wattoo gewettet, zum einen um die Ersatzteile, die er für das Raumschiff benötigt, zum anderen wollte er eigentlich auch den Jungen und seine Mutter im Fall des Sieges freikriegen, aber darauf ließ sich der Schrotthändler nicht ein. Er wettete nur um einen seiner Sklaven, der (von Qui-Gon mittels Jedi-Kräften manipulierte) Glückswürfel entschied, dass es Anakin sein würde. Nach dem Sieg ist er frei – seine Mutter nicht. Was wir hier erleben, ist der so genannte “Ruf des Abenteuers”, Anakin steht frei, mit Qui-Gon nach Coruscant zu gehen und ein Jedi zu werden. Anakin reagiert klassisch auf die Situation, denn er muss seine Mutter verlassen, um dem Ruf zu folgen. Ein Held – und das ist Anakin in der Geschichte – wird nicht leichtfertig aufbrechen, er muss immer etwas zurücklassen. Doch damit wird ein weiterer Grundstein für seinen späteren Fall gelegt; die ständige Furcht um das Wohlergehen seiner Mutter werden in Episode 2 Anakins schlimmste Eigenschaften offenbaren.

Dass er diese bereits in sich trägt, wurde leider beim letzten Schnitt aus Episode 1 herausgenommen. Es gab ursprünglich eine Szene, in der sich Anakin nach dem Podrennen mit einem Rodianer-Jungen namens Greedo prügelt. Der Rodianer behauptet, Anakin hätte gemogelt, um zu gewinnen. Qui-Gon geht dazwischen und verlangt Mäßigung von Anakin. Das Gespräch geht ungefähr so:

Anakin: Er hat behauptet, ich hätte beim Rennen gemogelt!
Qui-Gon: Und – hast Du gemogelt?
Anakin: Nein!
Qui-Gon: (zu Greedo) Bist Du immer noch der Meinung, Anakin habe gemogelt?
Greedo: Aber ja!
Qui-Gon: (zu Anakin) Siehst Du, Deine Schläge haben ihn nicht vom Gegenteil überzeugen können. Du weißt, dass Du nicht gemogelt hast, aber Du wirst seine Meinung akzeptieren müssen.

Die Szene zeigt, dass Anakin in Rage geraten kann, wenn etwas passiert, was seinem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht. Die Betonung liegt dabei auf “seinem Gerechtigkeitsempfinden”. Anakin ist offenbar der Ansicht, dass es eine einzige große Wahrheit gibt, die man mit allen Mitteln durchsetzen muss (was er in Episode 2 noch deutlicher sagen wird), es fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass das nicht immer geht, vor allem, wenn viele Menschen mit vielen unterschiedlichen Ansichten zusammen sind. In einer Kritik zu Episode 1 im “Spiegel” wurde geäußert, dass man sich gar nicht vorstellen könne, dass Anakin sich im Verlauf der Geschichte zum Bösewicht wandeln wird, weil der junge Anakin-Darsteller Jake Lloyd so niedlich sei und sich in der Episode zudem als Mustersohn zeige. Hätte man die Prügelszene mit Greedo im Film gelassen, hätte man diesen Eindruck sicherlich abmildern können. Aber mal ganz davon abgesehen: Wenn der neunjährige Anakin bereits böse gewesen wäre, hätte die Kritik bestimmt gelautet, es handle sich um ein Klischee. Immerhin geht es in den Prequels ja darum, Anakins Abstieg zu zeigen. Und dies ist sein Ausgangspunkt.

Bei Start von Tattoine trifft Qui-Gon auf einen Fremden in dunkler Kapuze, der sich auf die Künste der Jedi versteht und sehr gut mit der Waffe der Jedi, dem Lichtschwert, umgehen kann. Dabei handelt es sich um Darth Maul, den Schüler von Darth Sidious, der über eine Funkübertragung den Aufenthaltsort der Königin ausfindig gemacht hat. Als Qui-Gon bemerkt, dass er Maul so nicht besiegen kann, bricht er den Kampf ab und flieht an Bord des Raumschiffs, das ins Weltall entkommt.

Die Abordnung trifft endlich auf Coruscant ein. Amidala trifft auf Senator Palpatine, der ihren Heimatplaneten im Senat vertritt. Er macht ihr keine allzu großen Hoffnungen, was ihre Petition im Senat betrifft. Zwar sei Kanzler Valorum auf der Seite von Naboo in dieser Invasion, aber sein Ruf sei durch unberechtigte Korruptionsvorwürfe beschädigt wurden. Das Verfahren würde an einen Ausschuss abgegeben werden, der entscheiden müsste, was geschehen soll. Das würde zu viel Zeit beanspruchen, weil Valorum aufgrund seiner geschwächten Position sich nicht trauen würde, das Verfahren zu beschleunigen. Es gäbe zwei Möglichkeiten: Entweder sie drängt darauf, einen neuen, stärkeren Kanzler zu wählen, der dem Senat vorsteht – oder sie ruft die Gerichte an. Aber das Gerichtsverfahren würde ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen.

Was Palpatine hier tut, ist eine Manipulationstechnik, die man den “Fehlschluss der falschen Alternative” nennt. Doch in seinem Fall ist das besonders perfide, denn was Amidala natürlich nicht ahnt: Palpatine und Darth Sidious sind identisch. Die Situation, in der sich Naboo befindet, hat der ehrgeizige Senator selbst heraufbeschworen, und auch die Tatsache, dass der Senat immer wieder mit Verfahrensfragen behindert wird. Nun stellt er ihr die scheinbar einzigen beiden Alternativen vor: Entweder wird Valorum abgewählt, oder man nimmt ein langwieriges Gerichtsverfahren in Kauf. Amidala kann das zunächst nicht glauben, doch als sie vor dem Senat spricht und von den Abgeordneten der Handelsföderation scharf attackiert wird, die die Einrichtung eines Ausschusses fordern, schnappt seine Falle zu: Sie sieht mit eigenen Augen, wie die Bürokraten die Republik in Grund und Boden regulieren. Ein langwieriges Gerichtsverfahren will sie nicht riskieren, also was tut sie? Sie fordert die Abwahl von Kanzler Valorum. Das Plenum stimmt ihr lautstark zu.

An Palpatines süffisantem Lächeln sieht man, wie er es genießt, dass sein Plan aufgeht. Denn die Sympathien, die der Senat dem armen, gebeutelten Planeten Naboo entgegen bringt, verwandeln sich nun in einen Bonus für ihn selbst: Er wird als Kandidat für die Kanzlerwahl aufgestellt und kann davon ausgehen, auch gewählt zu werden. Damit ist der erste Teil des Plans, den die Sith verfolgen, abgeschlossen: der dunkle Lord ist selbst direkt im Zentrum der Macht, von wo aus er die weiteren Pläne lenken kann, die Republik zu stürzen. In dieser Phase nutzt er noch die Unzufriedenheit der Leute mit diesem bürokratischen Monster, zu dem die Republik geworden ist.

Dann jedoch macht die Königin etwas, womit er nicht gerechnet hat. Amidala ist klar, dass es trotz der Kanzlerwahl noch immer zu lange dauern würde, bis die Situation ihrer Heimatwelt bereinigt wäre. Also beschließt sie, nach Naboo zurück zu kehren und die Handelsföderation zu bekämpfen. Doch Palpatine, obwohl er ihr dringend von ihrem Plan abrät, ist flexibel genug, auf diesen neuen Umstand zu reagieren. Im Gegensatz zu den Jedi.

Der Rat der Jedi hat mittlerweile Bekanntschaft mit Anakin Skywalker gemacht. Diesem Rat stehen die Jedi-Meister Yoda und Mace Windu vor, die das genaue Gegenteil von Qui-Gon Jin verkörpern. Daher teilen sie auch seinen Enthusiasmus nicht, was Anakin betrifft. Im Gegenteil, sie spüren, dass der Junge gefährlich ist. Und sie haben nicht ganz Unrecht. Die Prophezeiung über den Auserwählten besagt nämlich, dass er der Macht das Gleichgewicht zurückbringen wird. Die Jedi beziehen diese Aussage nur auf die Sith, obwohl sie selbst damit ebenfalls gemeint sind. Genau genommen ähneln sich die Jedi und die Sith, nur das sie eben auf gegenüberliegenden Seiten stehen. Die Jedi sind erstarrt in ihren Regeln und lehnen alles ab, was auch nur im Ansatz mit der dunklen Seite zu tun haben könnte. Die Sith hingegen besitzen hohe Flexibilität und lehnen alles ab, was zur hellen Seite gehört. Bei den Jedi zählt die Gemeinschaft, der einzelne fast nichts (deswegen sind sie auch befremdet über einen Auserwählten), die Sith hingegen setzen persönliche Bedürfnisse und Macht über die Gemeinschaft. Um einen Ausgleich zu erreichen, müssen beide Seiten in ihrer jetztigen Form zu Fall gebracht werden. Damit ist Anakin natürlich eine Gefahr für die Jedi. Qui-Gon ist da viel aufgeschlossener, er begrüßt die Veränderung, die der Auserwählte mit sich bringt. Die Jedi hingegen wollen ihre Regeln und ihr System nicht ändern. Deswegen lehnen sie es zunächst ab, Anakin in den Jedi-Orden aufzunehmen. Die Entscheidung soll verschoben werden, auch weil Königin Amidala nach Naboo zurückkehren soll. Die Jedi befürchten, dass der geheimnisvolle Angreifer wieder zuschlagen wird. Ob er wirklich ein Sith ist, da sind sich die Jedi noch nicht sicher.

Zurückgekehrt nach Naboo erleben wir die Art und Weise, wie Amidala die Dinge anpackt: Mit Diplomatie. Ihr ist bewusst, dass die Naboo selbst gegen die Übermacht der Handelsföderation nichts ausrichten können und Verbündete brauchen. Diese finden sie in den Gungans. Sie schafft es, den alten Konflikt zwischen diesen und den Naboo beizulegen und Boss Nass, den Anführer der Gungans, zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu bewegen. Jar Jar Binks wird rehabilitiert, da er einen gewissen Anteil daran hat, dass das Bündnis zustande kommt. Gleichzeitig enttarnt sich Amidala und Anakin – und Qui-Gon und Obi-Wan – wird bewusst, dass die vermeintliche Dienerin Padmé in Wahrheit die Königin selbst war. Das verwirrt ihn noch ein Stück mehr.

Als die Handelsföderation mitbekommt, dass sich die Gungans sammeln, stellen sie ihre Droidenarmee auf. Da sie nur aus Robotern besteht, hat die Armee den Vorteil, dass man Soldaten weder rekrutieren noch ausbilden muss. Herstellen, programmieren, fertig! Einen Schwachpunkt jedoch haben die mechanischen Soldaten – sie werden von einem Kontrollschiff aus gelenkt. Der Plan der Königin ist nun, mehrgleisig vorzugehen. Die Gungans kämpfen gegen die Droidenarmee, während mehrere Gruppen der Naboo versuchen, in die Hauptstadt einzudringen. Eine Gruppe wird versuchen, mit Raumjägern zu starten und gegen das Droidenkontrollschiff im Orbit zu kämpfen. Die andere wird versuchen, Vizekönig Gunray gefangen zu nehmen.

Der Plan geht zunächst auf. Während die Gungans kämpfen, gelangen die Naboo unter der Führung von Amidala in den Palast der Hauptstadt. Die Piloten starten mit den Jägern – darunter auch Anakin, der sich in einem Jäger versteckt und aus Versehen den Autopiloten aktiviert. Als die Gruppe weiter in den Palast eindringen will, stellt sich ihnen Darth Maul in den Weg. Qui-Gon und Obi-Wan kämpfen mit ihm.

Daraufhin kommt es zu einer klassichen “Tod und Wiedergeburt”-Situation: Die Gungans kommen gegen die Übermacht der Droiden nicht an und müssen kapitulieren. Anakin rast mit seinem Raumjäger durch die Schlacht im Weltraum über Naboo und landet aus Versehen im Hangar des Droidenkontrollschiffes, wo sein Jäger überhitzt und manövrierunfähig liegenbleibt. Und Amidala und ihre Leute werden von Kampfdroiden eingekreist und zur Aufgabe gezwungen. Das ist der Moment des symbolischen Todes. Das, wofür diese Menschen gekämpft haben, scheint verloren.

Dann der Moment der Wiedergeburt: Amidalas Doppelgängerin taucht plötzlich auf. Verwirrt von der Situation begeht Nute Gunray einen Fehler und wird prompt selbst zum Gefangenen. Die Systeme von Anakins Jäger regenerieren sich gerade rechtzeitig, bevor ihn die Droidenwachen erreichen. Er kann starten und zwei Torpedos abschießen, die im Hauptreaktor des Schiffes einschlagen. Anakin kann entkommen, das Kontrollschiff aber explodiert. Dadurch werden die Droiden, die die Gungans gefangen nehmen sollen, deaktiviert. Die Niederlage hat sich in einen Sieg verwandelt.

Anders ist die Situation allerdings bei Qui-Gon, Obi-Wan und Darth Maul. Obi-Wan wird durch einen Energievorhang von Qui-Gon und Maul getrennt und muss ohnmächtig mit ansehen, wie der Sith seinen Meister mit dem Lichtschwert durchbohrt. Dann kämpft er selbst mit dem dunklen Lord und kann diesen im letzten Moment überwinden. Sein Meister jedoch stirbt in seinen Armen, nicht ohne ihn vorher zu bitten, die Ausbildung von Anakin zu übernehmen. Denn er ist der Auserwählte.

Eine Delegation der Republik trifft auf Naboo ein, und Trauer und Freude mischen sich. Yoda verkündet, dass Obi-Wan zum Meister ernannt wird, lehnt sein Anliegen, Anakin Skywalker als Padawan auszubilden, aber kategorisch ab. Er mag der Auserwählte sein, aber durch die Ausbildung bestehe Gefahr. Er sei zu alt. Obi-Wan widerspricht, schließlich habe er Qui-Gon sein Wort gegeben. Als er sogar darauf besteht, Anakin auch ohne Billigung des Rates auszubilden, lenkt Yoda ein. Bei der Zeremonie, bei der Qui-Gons Leichnam verbrannt wird, erklärt Obi-Wan Anakin, dass er nun sein Schüler sei. Gleichzeitig diskutieren Yoda und Mace Windu über den fremden Angreifer, der zweifellos ein Sith gewesen sei. Aber von denen gäbe es immer zwei, einen Meister und einen Schüler. Welcher wurde nun vernichtet?

Zur Delegation der Republik gehört auch der neue Kanzler, Palpatine. Er hat es tatsächlich geschafft, die Wahl zu gewinnen. Und während die Naboo und die Gungan den Frieden und die gemeinsame Freiheit feiern, blickt ihre Galaxis in eine ungewisse Zukunft.

Fortsetzung folgt…

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