Archiv für Dezember 2007

PostHeaderIcon Gedanken auf dem Friedhof – Ende und Anfang…

Scotland Graveyard

Wenn man auf dem Friedhof steht, zumal am Grab eines Menschen, der im eigenen Leben eine große Rolle, wenn nicht sogar die größte Rolle gespielt hat, kommt es vor, dass die Gedanken auf Wanderschaft gehen. Nicht nur geht es vielfach zurück im Leben zu Erlebnissen oder Ereignissen der Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart und die Zukunft. Man reflektiert was war, was ist und was sein wird. Nirgendwo wird einem die eigene Endlichkeit, zumindest die Endlichkeit dieses Lebens, so vor Augen geführt wie hier. Und in keiner anderen Situation wird einem der Wahrheitsgehalt von manchen Weisheiten bewusst, etwa, dass man Menschen besser kennenlernt, oder was es damit auf sich hat, dass man jemandem noch so viel sagen wollte.
Die Zeit, so habe ich einmal gelesen, kommt aus der Zukunft, die noch nicht existiert, und geht über die Gegenwart, die flüchtig ist, in die Vergangenheit, die bereits nicht mehr ist. Also ist jeder Moment ein kleiner Abschied – und ein neues Willkommen. Ende und Anfang, dicht beieinander.

Grab

Jeder Moment wird dabei gleich behandelt. Es gibt Momente, von denen man sich wünscht, sie würden nie vergehen, doch sie tun es. Und es gibt Momente, die man möglichst schnell vergehen lassen will, und auch sie tun es. Und sie kehren nie zurück, außer als Echo in unseren Gedanken und Gefühlen. Und auch hier herrscht die absolute Gleichbehandlung, die guten Momente kehren genauso wieder wie die schlechten. Es liegt an uns, damit umzugehen. Mit der Endlichkeit aller Dinge umzugehen. Denn daran gemahnt uns die Endlichkeit des Augenblicks. Wir können es abstreiten, negieren, verleugnen – es kann nicht sein, dass das Ende, dass der Tod Teil von allem ist. Aber er ist es. Der Moment wird geboren und stirbt. Das ist der ewige Kreislauf der Wandlung in unserem Universum. Nichts bleibt, wie es ist. Denn wenn wir an etwas festhalten, um jeden Preis, weil wir nicht wollen, dass es ein Ende hat, verkrampfen wir. Wir werden starr. Das Leben ist aber nicht starr. Nicht einmal Steine und Felsen bleiben, wie sie waren. Wind und Wetter setzen ihnen zu, Wasser reibt sie ab. Kann ein Mensch da noch fester sein als Stein? Nein, aber er kann es sich vormachen. Ein Mensch kann auch nicht in der Vergangenheit leben, doch er kann es sich vormachen. Er kann sich weigern, den Moment gehen zu lassen. Das Universum wird sich daran nicht stören. In seiner Existenz gibt es keine Überlegenheit – oder Unterlegenheit. Alles wird gleich behandelt, so wie jeder Moment. Aber Menschen wollen manchmal überlegen sein, die Kontrolle erlangen und bestimmen, was passiert. Das mag auch für einen Moment funktionieren, doch selbst dieser Moment ist flüchtig. Der Kampf, den der Mensch bestreiten muss, um dies zu erlangen, wird dann zum Kampf mit oder gegen sich selbst.

Grabstein

Der Moment des Übergangs, wenn etwas zu seinem Ende kommt, ist manchmal sehr deutlich, meistens aber nicht. Viele Momente kommen und gehen, ohne dass wir das besonders bemerken. Viele Dinge gehen zu Ende, ohne dass wir davon Notiz nehmen. Aber manchmal ist es anders. Da merken wir das Ende und die Veränderung, die selbiges mit sich bringt, sehr deutlich. Und es scheint ein natürlicher Reflex zu sein, dass man sich zunächst festklammern will. Letzten Endes geht das nicht, es ist, als würde man mit beiden Händen fest in den Sand einer Wüste krallen und versuchen, möglichst viele Körner zu behalten. Dadurch, dass man die Finger zusammenkrallt, rinnt der Sand nur umso schneller aus den Händen. Die Angst vor dem, was kommen mag, treibt uns dazu, weil wir nicht wissen, was sein wird, weil wir uns nicht auf alles vorbereiten können. Da fällt es schwer, loszulassen. Doch letztlich ist es das, was uns weiterbringt. Gefühle der Trauer müssen sein, aber man soll nicht daran festhalten. Oft habe ich in diesem Zusammenhang schon gehört, dass jemand sagte, er hätte einem Menschen, der gehen musste, noch so viel sagen wollen. Verstanden hatte ich das bisher nicht wirklich, denn ich habe das Gesagte zu wörtlich genommen. Es klingt danach, als hätte jemand tausend Dinge im Kopf, die er dem anderen irgendwann noch mitteilen wollte, es aber nicht mehr konnte. Darum geht es aber nicht, sondern es geht um die vielen Dinge, die noch kommen, die der andere aber nun nicht mehr sehen, hören, erleben wird. Wenn man etwas erlebt und es diesem Menschen gerne mitgeteilt hätte, dann handelt es sich um diese Situation. Der Satz drückt nicht das Bedauern darüber aus, dass man nicht mehr dazu kam, dem anderen etwas zu erzählen, was schon längst passiert ist, sondern dass man ihm nicht mehr erzählen kann, was gerade passiert oder passieren wird.
In solchen Momenten meldet sich der Schmerz. Der Abschied, das Ende hat einem einen Dorn in die Haut gerammt, der schmerzt. Doch nur wenn man loslässt, irgendwann, wandelt sich dieser Dorn in ein Geschenk, eine Erinnerung an vergangene Momente, die am Anfang schmerzt, doch letztlich zu einem Schatz wird. Wann das sein wird, kann niemand sagen. Wenn ein Wassertropfen an einem Blatt über einem Bach hängt, weiß der nicht, wie es sein wird, wenn er von dem Blatt herunter in den Bach fällt und sich mit dem Rest allen Wassers vereinigt. Aber er muss es irgendwann tun, sonst kommt die Sonne und der Tropfen verdunstet. Dieser Moment, das ist loslassen.

Tor

Allerdings geht das Loslassen nicht so einfach, wie es klingt. Es braucht neben vielen anderen verschiedenen Dingen Zeit. Deswegen gibt es Menschen, die nicht loslassen wollen. Statt den Dorn zu wandeln und die Wunde verheilen zu lassen, wollen sie lieber den Schmerz behalten. Das fällt umso einfacher, wenn man jemanden hat, dem man eine Schuld geben kann. Den man verurteilen kann für sein Verhalten. Dieser und jener, so hört man solche Menschen oft sagen, hat mir dies und das angetan! Seht die Wunde, die er mir beigebracht hat! Dabei wäre die Wunde möglicherweise schon längst verheilt, wenn man sie gelassen hätte. Doch statt Heilung zuzulassen, bohren solche Menschen gern in ihren eigenen Wunden, zeigen sie bereitwillig her und beschimpfen den Schuldigen, der das getan hat.
Wenn man aber nun mal in die Situation kommt, dass es einfach niemanden gibt, den man direkt verantwortlich machen kann, beginnt man, über solches Verhalten nachzudenken. Wenn man niemanden anklagen kann, dann versperrt einem auch niemand die Sicht auf das Wesentliche. Es ist meine Wunde, mein Schmerz – also muss ich auch tätig werden. Niemand kann mir das abnehmen. Auch nicht der, der möglicherweise Schuld an der Wunde ist. Und wenn es da direkt niemanden gibt, vielleicht finde ich doch noch jemanden, den ich verantwortlich machen kann, das Universum, das Schicksal… Das kann ich natürlich bezichtigen, aber nur, damit ich nicht loslassen muss.
Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn keine Wunde heilt von einem Moment auf den nächsten. Doch auch anderes ist wichtig, andere Menschen beispielsweise. In solchen außerordentlichen Situationen lernen wir wahrlich, wer unsere Freunde sind – und wer eher nicht. Das zieht leider unter Umständen einen weiteren Schmerz nach sich. Man ist enttäuscht, wenn man feststellt, wie sich manche Menschen verhalten. Man kann dabei natürlich nichts erwarten, aber es gibt Menschen, die einem deutlich zu verstehen geben, dass man sich doch bitte erst wieder melden soll, wenn man diese spezielle Phase in seinem Leben abgeschlossen hat, damit man den anderen nicht runterzieht. Jemand hat das mal “Schönwetterfreundschaften” genannt. Natürlich enttäuscht das, aber “Ent-täuschung” ist “das Ende der Täuschung”. Man hat sich über jemand anderen geirrt, und nun muss man auch hier loslassen. Ansonsten wird man noch auf Jahre über den schimpfen, der einen so schwer enttäuscht hat, und das vergiftet auf die Dauer die Seele. Ähnlich wie eine Wunde, an der man immer mit dem Finger herumbohrt, diese wird sich entzünden, und diese Entzündung kann im Lauf der Zeit den ganzen Körper vergiften.
Es ist sehr schwierig, denn niemand weißt, wie lange es gehen wird und was letztlich das Resultat sein wird. Manche Wunden verheilen schnell und man sieht nichts mehr von ihnen. Doch große Wunden brauchen länger und manchmal behält man eine Narbe zurück. Niemand weiß das. Das ist vielleicht auch besser so.

Engel aus Stein

Wir befinden uns zurzeit im letzten Monat des Jahres. Das heißt, demnächst kommt auf uns alle ein Ende zu, das wir aber mit einem besonderen Tag begehen: Silvester. Wir halten inne, schauen zurück auf vergangene Momente und fragen uns, was wohl das neue Jahr bringen wird. Manche machen schon Planungen dafür. Doch diese Zukunft existiert noch nicht. Und zu kaum einem anderen Moment ist der ständige Wandel so deutlich zu sehen, wie an diesem Tag. In einem Moment ist es 2007 – einen Moment später bereits 2008. 2007 ist dann beschlossen. Beendet. Wird nicht wiederkommen. Selbst wenn es irgendwann eine ganz neue Zeitrechnung geben sollte, die dann ihr eigenes Jahr 2007 haben wird, so wird doch dieses Jahr 2007 nicht wiederkommen. Alle diese Momente, dieses Jahr, diese 365 Tage, diese 8.760 Stunden, diese 525.600 Minuten, diese 31.536.000 Sekunden, sie kehren nicht wieder.
Zu Silvester stoßen Ende und Anfang sehr deutlich aneinander. Bei anderen Gelegenheiten merken wir das nicht so deutlich, obwohl es so ist. Ende und Anfang gehören zusammen, nicht nur, weil alles, was einmal angefangen hat, auch ein Ende haben muss, sonder weil auch umgekehrt ein Ende ein neuer Anfang ist. Und das in jedem Moment. Darum sollte man nicht festkrallen, zetern und in den Wunden bohren. Sondern den Schatz behalten und den Schmerz loslassen.

Auf eine besinnliche Weihnachtszeit und einen neuen Anfang 2008!

Alle Bilder in diesem Beitrag stammen von Halessa

Celtic Cross

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PostHeaderIcon “Gib mir den Ring!” – Tendenzielle Berichte, Vorratsdatenspeicherung und Klimaschutz

“Gandalf, Elrond – all diese Leute haben Dir das beigebracht. Für sie selbst mag es richtig sein. Diese Elben und Halbelben und Zauberer würden vielleicht zu Schaden kommen. Indes bin ich mir of im Zweifel, ob sie eigentlich weise sind oder bloß zaghaft. Doch jeder nach seiner Art. Aufrechte Menschen lassen sich nicht verführen. Wir in Minas Tirith sind in langen Jahren der Prüfung standhaft geblieben. Wir trachten nicht nach der Macht von Zauberern, sonder nur nach Stärke, um uns zu verteidigen, Stärke für eine gerechte Sache. Und siehe da! In unserer Not bringt der Zufall den Ring der Macht ans Licht. Es ist ein Geschenk, sage ich; ein Geschenk für die Feinde von Mordor. Es ist Wahnsinn, ihn nicht zu gebrauchen, die Macht des Feindes nicht gegen den Feind zu gebrauchen. Die Furchtlosen, die Mitleidlosen allein werden den Sieg erringen. (…) Wie ich die Heere von Mordor zurücktreiben wollte und wie sich alle Männer unter mein Banner scharen würden!”
(Boromir von Gondor zu Frodo in “Der Herr der Ringe, Band 1: Die Gefährten”)

In einem anderen Bericht in diesem Blog habe ich schon einmal über Tolkiens “Herrn der Ringe” geschrieben und darüber, was in diesem modernen Mythos steckt (siehe hier). Tolkien hat viel in das Konzept des “Einen Ringes” gesteckt, so dass es zugleich komplex und doch auf den Punkt gebracht ist. Eine einfache Gleichsetzung, etwa dass der Ring ein Symbol für die Atomkraft und ihre Gefahren ist, wird dem nicht gerecht. In meinem vorigen Beitrag habe ich versucht, das Konzept mit “Möglichkeit, einen einfachen Weg zum Ziel zu gehen” zu umschreiben, denn “Macht” klingt immer gleich sehr hochtrabend. In diesem Beitrag habe ich drei aktuellere Beispiele zusammengetragen, in der es genau um dieses Thema, das der “Eine Ring” in sich vereinigt, geht.

Wie ist das noch gleich mit den Magazinen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die kritisch nachfragen und Recherche betreiben? Sie haben einen gewissen “Glaubwürdigkeitsbonus”. Man erwartet von ihnen, dass Beiträge, die in diesen Magazinen ausgestrahlt werden, belegbare Aussagen enthalten, objektiv und nicht manipulativ sind. Nun hat ein junger Mensch einen Beitrag bei YouTube eingestellt, in dem er die Berichte dreier solcher Magazine kritisch auseinandernimmt (siehe hier). Das Thema sind die immer wieder beliebten “Killerspiele” und ein mögliches Verbot von ihnen. Alle drei Berichte sind überaus kritisch. Nun, das kann man bei diesem Thema sicher sein. Allerdings bedienen sich die Reporter dabei Mittel, die man zumindest als “grenzwertig” einstufen kann. Sie dramatisieren, stellen Behauptungen auf und an einer Stelle wird gar das Lachen eines Spielers in einen Bericht eingefügt, so dass der Eindruck entsteht, dieser Spiele freue sich über das Töten einer Spielfigur. An anderer Stelle kommt ein Experte zu Wort, der nach dem Inhalt von “World Of Warcraft” gefragt wird – und ein Militärspiel beschreibt, während “WoW” ja eigentlich ein Fantasy-Spiel ist. Auch wird nicht ganz klar, worum es den Berichten eigentlich geht. Einerseits wird über so genannte “Ego-Shooter” hergezogen, dann aber kommen Spiele wie “World Of Warcraft” mit dazu. In einer Stellungnahme meint einer der verantwortlichen Redakteure, es wäre in dem Bericht um “Metzelspiele” im Allgemeinen gegangen. [Schriftlicher Beitrag zu dem Video hier, Stellungnahme zu dem Video vom Redakteur von "Frontal 21" hier, Kommentar und Diskussion im Blog von Stefan Niggemeier hier]
Wo liegt hierbei die Parallele zum Ring? Nun, den Beiträgen ist deutlich anzumerken, worum es den “Machern” ging: um eine Diskussion über – wie sie es nennen – “Metzelspiele”. Und tatsächlich kann man sich bei manchen der Spiele wirklich die Frage stellen, ob die explizite Darstellung von Gewalt so sein muss. Aber die Macher gehen einen Schritt zu weit, denn man kann die Beiträge stärken, indem man trickst. Mit Verweisen auf Amokläufer, die angeblich das Zielen mit Hilfe solcher Spiele geübt haben, mit Bildern von Spielern, die sich angeblich über das Gemetzel freuen, soll der Zuschauer in eine bestimmte Richtung gebracht werden. Anstatt sich die Mühe zu machen, mit differenzierten Argumenten zu arbeiten, die es sicher gäbe, geht man den leichten Weg, Stimmung zu machen. Das Problem liegt hier im Kern der Sache: Die Diskussion über die Folgen – oder auch den (vermeintlich) großen Erfolg – von “Killer-” oder “Metzelspielen” kann sehr schnell ausarten und zu einer Diskussion über die Gesellschaft im Allgemeinen werden. Sowas passt aber schlecht in einen Magazinbericht, der maximal sechs bis zehn Minuten lang sein darf.
Dass man mit Tricks arbeitet, macht den Verantwortlichen aber kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil: Beispielsweise werden die Einwände um das in den Beitrag eingeschobene vermeintliche Lächeln eines Spielers über die Metzeleien von der Redaktion abgelehnt mit den Hinweis, dergleichen sei “üblich”. Frei nach dem Motto, “wir dürfen das machen, denn wir sind ja die Guten”. Oder um es mit den Worten aus dem “Herrn der Ringe” zu sagen: “Für eine gerechte Sache.”

Bleiben wir gleich bei dem Spruch von der “gerechten Sache”, denn das zweite Beispiel dreht sich um die vor kurzem von unseren “Volksvertretern” beschlossene Vorratsdatenspeicherung. Angeblich ging es ja am Anfang mal um Terroristen, die man so besser aufspüren könne. Doch inzwischen haben die Bundesländer angemeldet, sie hätten auch gern Zugriff auf die Daten. Ach ja, und wo wir gerade dabei sind… Raubkopierer könnte man doch auch mit diesen Daten ausfindig machen…
Und wieder kein schlechtes Gewissen. In einer Diktatur, ja, da wäre so ein Mittel gefährlich, aber wir, wir sind doch die Guten, nicht wahr?
Mehr möchte ich dazu nicht verlieren, da gibt es einen ganz anderen Beitrag, der das ganze gut auf den Punkt bringt, beim Spiegelfechter (siehe hier).

Auch das dritte Beispiel handelt von der “gerechten Sache”, die etwas rechtfertigt: Seit einiger Zeit kooperieren der “World Wide Fund for Nature” (“WWF”), BUND und Greenpeace mit der “Bild”-Zeitung. Die Umwelt-Organisationen erhoffen sich dadurch, Menschen zu erreichen, die sie sonst nicht erreichen könnten. Ein “Highlight” – im wahrsten Sinne des Wortes – dieser Zusammenarbeit ist die demnächst stattfindende Aktion “Licht aus! Für unser Klima”, bei der man für fünf Minuten alle Lichter ausmachen soll, um dem in Bali stattfindenden Klimagipfel ein Zeichen zu senden (Stefan Niggemeier nimmt das zum Anlass, hier seine Fördermitgliedschaft bei Greenpeace zu kündigen, und hier stellt er die – berechtigte – Frage, ob eine Zeitung, deren Chef die Bemühungen um das Klima eher als Hysterie einschätzt, der richtige Partner ist).
Das BILDBlog hat die teils merkwürdigen Ansichten der “Bild” über Klimaschutz dokumentiert (unter anderem hier), und daher gibt es nicht ganz unberechtigt Stimmen von Aktivisten, die die Glaubwürdigkeit der Umwelt-Verbände in Gefahr sehen (Bericht siehe hier).

Der Eine Ring begegnet uns immer wieder. Die Sängerin Heather Alexander sagt auf der Bühne im Vorwort zu ihrem Lied “The Golden Ring“, dass es eine Seite in jedem von uns gibt, die auf die Versuchungen des Ringes anspricht. Wir reden nicht gerne darüber, aber es gibt sie. Denn es gibt in jedem das Drängen, den einfachen Weg zu beschreiten. Das gilt für die großen Dinge genauso wie für die kleinen Dinge. Die Diskussion um “Metzelspiele” mag notwendig sein – muss sie aber deswegen dramatisiert werden? Ist die Vorratsdatenspeicherung wirklich notwendig, wie manche Politiker immer wieder behaupten? Brauchen die Umweltverbände diese Aktionen? Um welchen Preis erkauft man sich das Ziel, das man sich mit seiner Aktion erhofft – die so genannte “gerechte Sache”? Und wie ist es später, beim nächsten Mal? Möglicherweise fällt es einem leichter, wieder den einfachen Weg zu gehen. Daraus entwickelt sich dann eine scheinbar einfache Sache, eine harmlose Angewohnheit, die einem leicht fällt…

…so leicht, wie sich einen goldenen Ring an den Finger zu stecken…

Update: Bei Stefan Niggemeier kann man nachlesen, dass die Kooperation von Greenpeace unter anderem auch einen eigenen prominenten Mitstreiter gekostet hat – Klaus Staeck, Grafiker und Verleger kehrt der Organisation den Rücken. Mehr und genaueres steht hier.

PostHeaderIcon seaQuest DSV – Jetzt taucht sie wieder!

“Das 21. Jahrhundert… der Mensch hat die letzte unerforschte Region unserer Erde kolonisiert, den Ozean. Als Besatzung der SEAQUEST sind wir für den Schutz der Meere verantwortlich. Denn unter der Wasseroberfläche liegt die Zukunft!”
(das Vorwort der ersten Staffel von “seaQuest DSV”)

Manche Dinge dauern lange. Zum Beispiel, bis gewisse Serien auf DVD erscheinen – zumal in Deutschland. “seaQuest DSV” ist ein Beispiel dafür. Die Serie wurde zwischen 1993 und 1996 produziert, ihre Einstellung nach 59 Episoden ist demnach über 10 Jahre her. Nun ist es aber soweit, vergangene Woche erschien der erste Teil der ersten Staffel als DVD-Box.

Die Geschichte der Serie spielt ein kleines Stück in der Zukunft (nach heutigen Maßstäben etwa 10 Jahre, im Jahr 2018). Die Menschheit hat den Ozean kolonisiert, da jedoch die Nationalstaaten und einige Konzerne mehr Gebiete – hauptsächlich zur Ausbeutung von Bodenschätzen – für sich beanspruchen, kommt es zu immer neuen Konflikten. Ein neuer Vertrag zwischen den Staaten muss her, und so wird die “United Earth Ocean Organisation”, kurz “UEO” gegründet. Zum Schutz des Vertrags wird das größte U-Boot, die SEAQUEST DSV (= Deep Submergence Vehicle), in den Dienst der Organisation gestellt. Kapitän des Schiffes ist Nathan Bridger (Roy Scheider), der dazu allerdings erst einmal überredet werden muss.

In der ersten Staffel erforscht das Boot die Tiefsee (“Tiefseeflimmern”, “Das versunkene Wissen”), leitet Rettungseinsätze (“Die vergessenen Kinder”, “SOS im Sargassomeer”) oder wird in merkwürdige Ereignisse verstrickt (“Das Geisterschiff”, “Die Meerjungfrau”). Jede Episode schließt mit einem Nachwort eines Mitarbeiters eines ozeanographischen Instituts, der auf Einzelheiten aus der jeweiligen Episode eingeht, zum Beispiel über die Besonderheiten von Unterwasser-Archäologie (“Das versunkene Wissen”) oder von bioluminiszierenden Lebensformen (“Tiefseeflimmern”). Der Vergleich “STAR TREK unter Wasser” wurde mehr als einmal herangezogen und hinkt nicht – vor allem, da schon im Pilotfilm eine Notsituation entsteht, bei der die SEAQUEST das einzige Schiff in Reichweite ist. Man versuchte, bei den Handlungen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft über die Ozeane zu orientieren. Auch die SEAQUEST selbst wurde mit der Hilfe von Experten entworfen. Das Ergebnis waren einige Episoden, bei denen das Zusammenspiel der Figuren einen großen Teil einnahm und sich die Handlung um moralische Fragen drehte, die sehr gegenwartsbezogen waren.

Mit der zweiten Staffel änderte sich das. In der letzten Folge der ersten Staffel war die SEAQUEST zerstört worden, die erste Folge von Staffel zwei setzt zwei Jahre später ein, mit der Fertigstellung des neuen Bootes. Bei den Episoden wurde von da an mehr Wert auf Action gelegt, gleichzeitig wurde der Schwerpunkt dieser Science-Fiction-Serie von “Science” nach “Fiction” verlagert. Außerirdische traten in Erscheinung, Monster und Dämonen. Am Ende dieser Staffel wurde sogar das ganze Boot auf einen fremden Planeten entführt.

Die Entwicklung der Serie gefiel dem Hauptdarsteller Roy Scheider nicht, so dass er seinen Ausstieg verkündete. Um wenigstens Teilweise zu den Ursprüngen der Serie zurückzukehren, wurde für die dritte Staffel erneut ein neues Konzept aufgesetzt. Die Handlung beginnt 10 Jahre nach der Entführung der SEAQUEST auf den fremden Planeten, die Serie erhielt einen neuen Titel – “seaQuest 2032″ – und wurde wieder etwas bodenständiger, wenn auch die Betonung auf das Element “Action” blieb. Neuer Captain wurde Michael Ironside als Oliver Hudson, und die Situation ist auch eine neue: In den vergangenen 10 Jahren konnte die UEO ohne die SEAQUEST den Vertrag nicht schützen. Eine neue Diktatur erreichte ihren Höhepunkt, als das Bündnis “Macronesien” versuchte, sein Gebiet zu vergrößern. Die Episoden dieser Staffel handelten dann auch hauptsächlich davon, diesen Expansionsgelüsten Einhalt zu gebieten. Das Ende der Serie, obwohl die Staffel mit einer “offenen Episode” endet, konnte allerdings auch mit diesem Konzept nicht verhindert werden. Nach 59 Folgen wurde beschlossen, die Erzählung nicht fortzusetzen.

Parallel zu “Babylon 5″ wurden auch bei dieser Serie die Spezialeffekte vollständig im Computer, einem Commodore Amiga, erzeugt. Natürlich haben diese bedingt durch die Entwicklung auf dem Computer-Sektor inzwischen auch, wie man so schön sagt, “Patina” angesetzt, aber man darf nicht vergessen, dass das damals neu und der Stand der Technik war.

“seaQuest” hatte seine Momente und fand daher auch seine Fans, unabhängig davon, dass die ständige Änderung des Grundkonzepts auch viele vergraulte (einschließlich Schauspieler). Die Anspruch, eine weitgehend realistische Serie zu produzieren, legte die Messlatte hoch und die Episoden werden dem nicht immer gerecht. Vermutlich geht es aber jeder Serie so, dass Anspruch und Ergebnis nicht immer ganz übereinstimmen. Die Serie hätte durchaus ein, zwei Staffeln mehr verdient gehabt, allein, um das Konzept zu vervollständigen. So ist sie aber nun leider Bestandteil des “Universums der Unvollständigen”, in dem auch “Space – Above and Beyond” und “Firefly” zu finden sind.

Bleibt nur noch eine Frage, mit der man einen alten Witz aus den “Werner-Comics” wieder einmal hervorholen kann: Taucht das DVD-Set was?
Falls Sie den Witz im letzten Satz nicht verstanden haben, lesen Sie einfach noch mal – so lange, bis Sie ihn verstanden haben. Ich warte gern.
Alles klar? Okay, hier nun die Antwort: Nun ja. Leider hat sich bei der deutschen Version der DVD-Box dieses “lasst uns mehr Geld machen, indem wir eine Staffel in zwei Teile teilen”-Virus festgesetzt. Während man im englischen Original die Staffel als ganzes kriegt, ist hier nur die erste Hälfte mit 12 Episoden erschienen. Auch das Bonus-Material hält sich etwas in Grenzen, es handelt sich hierbei um entfallene Szenen aus den ersten drei Episoden, die bei genauerer Betrachtung teilweise keine wirklich entfallenen Szenen sind, sondern alternative Fassungen. Entfallene Szenen gibt es hauptsächlich bei “Das versunkene Wissen”, wo große Teile der Handlung über die jugendlichen Phantasien des Computergenies Lucas Wolenczak (Jonathan Brandis) um Lieutenant Commander Hitchcock (Stacy Haiduk) der Schere zum Opfer fielen.
Von diesen negativen Punkten abgesehen ist die Box aber recht ordentlich. Die Einführung der DVDs wurde mit dem deutschen Sprechertext gestaltet und natürlich ist es ein Gefühl von Nostalgie, Gerd Günther Hoffmann als Roy Scheiders Stimme zu hören.
Teil 2 der ersten Staffel wird voraussichtlich Ende Januar 2008 erscheinen.
Fazit: diese DVD-Sammlung ist für die Fans… und solche, die es noch werden wollen. “seaQuest DSV” ist eine Serie mit großem Potential, das sie leider nicht ausschöpfen durfte, aber das Potential ist in der Serie deutlich zu erkennen.

seaQuest DSV - Staffel 1.1

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