Archiv für Februar 2006
PANIK! – Gesundheit!… Vogelgrippe contra Gehirnpest
Um es gleich zu Beginn zu sagen: Überlingen ist das, was ich als meine Heimatstadt betrachten würde. Ich bin dort zwar nicht geboren, aber ich habe dort mehr als 30 Jahre meines Lebens verbracht. Auch wenn ich derzeit ungefähr 25 Kilometer weit weg vom Bodensee wohne, bin ich mit der Region doch verbunden. Und wenn ich mir die Berichte im Fernsehen ansehe, in denen vom H5N1-Fall einer Tafelente berichtet wird, sehe ich Leute, die ich zum Teil persönlich kenne. Ich sehe eine Uferpromenade, die ich schon hunderte Male entlang spaziert bin, und die nun abgesperrt wird. Der Ort ist für mich nicht “irgendein Ort irgendwo”, wenn in Zeitungsberichten davon gesprochen wird, dass es erlaubt sei, auf dem Überlinger Wochenmarkt Geflügel zu verkaufen, dann verbinde ich damit ein Bild in meinem Kopf. Nicht nur ein Bild, auch Geräusche und Gerüche… persönliche Erinnerungen.
Nachdem dies also geklärt ist, zum eigentlichen Thema, um das es mir geht: Vogelgrippe contra Gehirnpest. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass kein Grund zur Panik besteht. Die Medien berichten, aber die meisten versuchen, keine Panikstimmung aufkommen zu lassen. Das brauchen sie auch nicht, denn es gibt einige wenige, die das ganz allein schaffen. Dabei wurde ein Virus freigesetzt, dass mindestens genauso, wenn nicht noch gefährlicher ist als H5N1 (egal in welcher Variante): die Gehirnpest. Das Virus braucht nicht viel, um sich zu übertragen, deswegen kann es sich ganz schnell verbreiten. Im Internet kursieren schon die wüstesten Gerüchte darüber, es gäbe “geheime Vorräte” an Tamiflu für bestimmte Leute, für “die da oben”, die sich in geschützte Zonen in Sicherheit bringen könnten und der kleine Mann darf sehen, wo er bleibt. Und das, obwohl die Wirkung von Tamiflu gegen die Vogelgrippe gar nicht bewiesen ist und Ärzte lieber empfehlen, man solle das Immunsystem im Allgemeinen stärken (siehe hier). Und eine Zeitung versucht mit einer raffinierten Fragestellung zu implizieren, es gäbe eine Art “Geheimwissen”, das die Politiker haben. Man müsse mehr wissen, warum sollten die Helfer denn sonst in diesen Anzügen herumlaufen, warum kommt die ABC-Schutztruppe der Bundeswehr wie nach einem Atomunfall? (Sekundärbericht über den Bericht gibt es hier)
Ich glaube, die Irritation bei mir ist auf die Frage “Warum?” zusammenzufassen, wenngleich sich dahinter doch eine sehr komplexe Struktur verbirgt, denn jede mögliche Antwort wirft neue Fragen auf. Zumindest bei mir. Was die Zeitung, die ich oben nicht nannte, weil ich es nicht will (ich empfehle lieber diese Seite hier), tut, ist Panikmache. Und sie tut es, weil man damit offensichtlich mehr Zeitungen verkaufen kann. Schön, das ist ein Grund (keine Rechtfertigung!), aber was ist der Grund für den Grund? Warum wollen die Leute lesen, dass die Apokalypse unmittelbar bevorstehe und “wir” – im Gegensatz zu “denen da oben” – alle sterben werden? Ist das die alte Geschichte von der Rechtfertigung meiner eigenen Situation damit, dass es andere gibt, die verhindern, dass es mir besser geht? Eigentlich ist es nichts anderes und die Politiker von heute geben in dem Fall natürlich exzellente Sündenböcke ab. Ich zahle immer mehr Steuern, mein Gehalt bleibt aber gleich oder ich muss sogar auf einen Teil verzichten – und “die da oben” sind Schuld! Ich kriege ein kleines Gehalt und “die da oben” haben Bezüge, deren Höhe sie selbst bestimmen können, mal ganz davon abgesehen, was sie sonst noch so an Einnahmen haben. Soweit beinhalten die Vorwürfe tatsächlich auch noch einen wahren Kern. Aber wenn “die da oben” das alles tun, dann kann man ihnen auch wirklich alles zutrauen! Vor allem, wenn man die vermeintlichen Beweise direkt vor der Nase hat – genau so wie die Zeitung, die ich nicht nannte, argumentiert: “Die da oben” sagen, man brauche sich noch keine Sorgen machen – und doch hantieren die Leute, die mit der Vogelgrippe zu tun haben, in modernsten Schutzanzügen? Da stimmt doch was nicht, oder? Was verschweigen uns “die da oben”?
Auf einmal dreht sich alles um: es wird vor Panikmache gewarnt – und die Gerüchteküche brodelt zurück: was “die da oben” betreiben, sei ja schon eine “Beschwichtigungsmache”. Das ist die Situation, in der sich die Zeitung, die ich nicht nannte, mal wieder zum Anwalt der kleinen Leute aufschwingt und theatralisch “die da oben” bittet: “Sagt uns die Wahrheit!” Damit wird natürlich wiederum der Eindruck erweckt, man sei angelogen worden – oder zumindest hätte man “uns” einen Teil der Wahrheit vorenthalten. Das kann man schon zu den Verschwörungstheorien zählen, für die auch Politiker hin und wieder herhalten müssen. Eine tragische Komponente bekommt das ganze aber, wenn man versucht, die unsichere Stimmung zum Beispiel in Regionen, wo es keine so gute Information gibt, für gezielte Kampagnen zu verwenden. Dabei treibt es mit der Verschwörung sehr merkwürdige Blüten, wie man hier nachlesen kann.
Jetzt, da ich diesen Bericht schreibe, gehen Schätzungen davon aus, dass auf dem Planeten Erde gerade 6,499,911,341 Menschen leben (eine ungefähre Zahl), also knapp 6,5 Milliarden (die aktuelle Zahl kann hier nachgelesen werden). Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in der jetztigen Form Ende 2003 (also vor über 2 Jahren) sind weltweit ungefähr 90 Menschen an H5N1 gestorben. Das ist sehr viel weniger als 1 Promille. Die so genannte “Spanische Grippe” hat in einem vergleichbaren Zeitraum (1918 – 1920) mindestens 20 Millionen Menschen das Leben gekostet. Noch haben wir keine Pandemie. Im Moment sieht es so aus, dass das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Vielleicht wird es das auch nie. Wenn doch, dann können wir den Zeitpunkt oder die Umstände nicht vorhersagen. Momentan sind Forscher damit beschäftigt, einen Impfstoff zu entwickeln. Aber das braucht Zeit. Bis dahin werden Sperrbezirke errichtet, Fahrzeuge desinfiziert und tote Vögel untersucht. Denn das ist das, was man jetzt tun kann. Dass das Personal dabei in Schutzanzügen herumläuft, hat einen einfachen Grund: man kann sich an einem solchen Tier mit H5N1 anstecken. Das wurde nie bestritten. Und die Anzüge sollen davor Schutz bieten. So einfach ist das.
Daher sind “wir” gerade gefordert: Und zwar nicht, um “denen da oben” Vorwürfe zu machen, sondern um selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Ärzte haben uns empfohlen, was wir tun können, also sollten wir nicht lamentieren, sondern uns daran halten: Unser Immunsystem mit bewährten Mitteln (frische Luft, Bewegung, Obst, Gemüse, Wechselduschen, Sauna und so weiter) stärken, damit wir nicht krank werden. Häufiger mal Hände waschen. Wenn wir spazieren gehen, Vorsicht walten lassen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich meine Kinder sowieso nicht ein verendetes Tier, das irgendwo liegt, anfassen lassen würde, so ist jetzt eben etwas mehr Aufmerksamkeit gefordert. Und Vogelfedern, die ich als Kind am Bodensee übrigens auch gesammelt habe, müssen jetzt eben liegenbleiben.
Ganz wichtig ist auch, dass wir die Kräfte, die nun in Überlingen (oder auch auf Rügen oder Brandenburg oder sonstwo) an der Arbeit sind, ihre Arbeit machen lassen. Für den irrationalen Ärger von manchen Leuten über “die da oben” sind sie garantiert die falsche Adresse. Sie wollen uns nicht schikanieren, sie wollen uns helfen.
Sie tun, was sie können – und das ist gut so.
… und keine Chance der Gehirnpest!
Brich Dir was und iss ein Kitkat – Dem Deutscher Language, Episoduo tres
Danke für die Bemerkungen zu den anderen zwei Posts zum Thema “Dem Deutscher Language”. Durch die Schlussbemerkung des zweiten Teils angespornt haben mich Leser darauf aufmerksam gemacht, dass es noch andere Bereiche der deutschen Sprache gibt, in denen Englisch seine Stolperfallen stellt: Werbesprüche. Ich habe recherchiert – und tatsächlich gibt es im Internet einige Seiten, die auf falsch verstandene – da englische – Werbesprüche eingehen. Wenn der Tankstellenspruch “We’re Drivers Too” als “Wir sind zwei Fahrer” (erinnert ein wenig an “Ich bin zwei Öltanks”) verstanden wird, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein. Jedenfalls habe ich ein paar Sprüche zusammengetragen und wie sie falsch verstanden wurden – und was sie wirklich bedeuten. Viel Vergnügen!
DOUGLAS – COME IN AND FIND OUT
Falsch: “Komm rein und finde wieder raus.”
Korrekt: “Komm rein und finde es heraus.” (was auch immer ich bei Douglas herausfinden könnte – vielleicht ist die Parfümerie ein Treff für Privatdetektive?)
AMAZON – AND YOU’RE DONE
Falsch: “Amazon – Und Du bist erledigt”
Korrekt: “Amazon – Und fertig!”
HAVE A BREAK – HAVE A KITKAT
Falsch: “Brich Dir was und iss ein Kitkat”
Korrekt: “Mach eine Pause und iss ein Kitkat”
LOEWE – STIMULATE YOUR SENSES
Falsch: “Schärfe Deine Sensen” (ist natürlich trotzdem ein guter Tipp an jeden Landwirt, der sein Heu noch auf die althergebrachte Weise schneidet, denn mit scharfen Sensen geht das einfacher).
Richtig: “Stimuliere Deine Sinne”
AUDI TT – DRIVEN BY INSTINCT
Falsch: “Fahren mit Insekten” (außer im Sommer – aber da gilt das nicht nur für den Audi TT, sondern für jedes andere Auto auch)
Korrekt: “Angetrieben durch den Instinkt”
KODAK – SHARE MOMENTS, SHARE LIFE
Falsch: “Schade um den Moment, schade ums Leben”
Korrekt: “Teile Momente, teile das Leben (mit anderen)” (ja, die Übersetzung holpert, aber so ist das im Englischen, manchmal funktioniert es nicht wörtlich, der Spruch will ausdrücken, man soll seine persönlichen Momente und sein Leben mit anderen teilen – und zwar am Besten mit Bildern auf Kodak-Papier.)
SAT 1 – POWERED BY EMOTION
Falsch: “Kraft durch Freude” (hatten wir das nicht schon mal? Mal im Ernst: tatsächlich gab es Leute, die diesen Werbespruch so verstanden hatten. So leicht kann es passieren, dass es hinterher dann heißt :”Ihr wart doch damals alle mit dabei!”)
Richtig: “Angetrieben durch Gefühle”
MITSUBISHI – DRIVE ALIVE
Okay, bei diesem Werbespruch machte nicht so sehr die Übersetzung an für sich Probleme, sondern mehr, in der korrekten Übersetzung “Fahre Lebendig” einen Sinn zu sehen. Denn ein Toter wird sich vermutlich nicht hinters Steuer eines Mitsubishi setzen.
Nun noch ein Schlusswort: eine Leserin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Begriff “body bag” inzwischen nicht nur für die von mir in “Dem Deutscher Language, Teil 1″ beschriebenen Taschen verwendet wird, sondern dass es Hersteller von kleinen Rucksäcken gibt, die diese inzwischen auch als “body bag” bezeichnen. Der Witz daran: Was heißt “Rucksack” auf Englisch?
“Rucksack”
Armes Deutsch…
Dem Deutscher Language, Part deux
Ich entschuldige mich gleich zu Beginn dieses Beitrags bei unseren französischen Freunden. Das “Part deux” im Titel sollte keine kritische Anmerkung über frankodeutsche Wörter sein, ich wollte einfach einen schönen Sprachmischmasch erzeugen. So, nachdem das geklärt ist, zurück zu den Anglizismen. Wer nicht versteht, worum es mir mit diesem Text geht, der sollte den Vortext “Dem Deutscher Language” zuerst lesen und dann erst hierher zurückkommen.
Erledigt? Sie wissen jetzt, worum es geht? Schön, dann lassen Sie uns weitermachen.
Die Invasion der Anglizismen geht weiter. Anlass für mich, darüber noch weiter zu schwadronieren, war eine neue Kurzserie auf Pro 7 mit dem Titel… “EMPIRE”. Wohlgemerkt, in der Serie geht es um das römische Reich, nicht um das Britische. Bei letzterem hätte den Titel noch durchgehen lassen, immerhin hat sich im Deutschen das Wort “Empire” auch schon eingebürgert, wenn wir von dem ehemaligen britischen Weltreich reden, quasi als Abkürzung für “British Empire”. Was aber zur Hölle hat die Übersetzer abgehalten, die Serie einfach “IMPERIUM” zu nennen? Oder “IMPERIUM ROMANUM”, das hätte so einen schönen intellektuellen Anstrich gehabt. Nebenbei bemerkt, die Vorschau hat mich nicht überzeugt, scheint es sich dabei doch um einen weiteren Abklatsch von “Gladiator” zu handeln.
Wo wir gerade von “Vorschau” reden – auch hier hat sich ein Anglizismus eingeschlichen, der offenbar nicht ganz korrekt ist: Vorschau-Filme werden nämlich neudeutsch als “Trailer” bezeichnet. Nun, offensichtlich scheint man nicht in der ganzen englischsprachigen Welt zu wissen, was Deutsche eventuell unter einem “Trailer” verstehen. Das Wort bedeutet eigentlich “Wohnwagen” und ich habe mich fürchterlich blamiert, als ich anlässlich der Vorankündigung von STAR WARS Episode 1 meiner amerikanischen Brieffreundin am Telefon erzählte, bei uns in Deutschland wäre schon der erste “STAR-WARS-Trailer” zu sehen. Sie fragte mich dann, ob die Deutschen wirklich so begeistert von STAR WARS wären, dass sie ihre Wohnwägen schon danach gestalten… Wie konnte der Begriff “Trailer” zu einer Umschreibung für “Vorschau-Film” werden? Das frage ich mich seither – und ob das wieder so ‘ne deutsche Kiste ist, die wir gemacht haben, weil wir international und cool sein wollen.
Zurück zu den Titeln, die nicht mehr übersetzt werden. Das hat sich seit einiger Zeit vor allem bei amerikanischen Serien eingebürgtert – und dort vor allem bei Titeln, die nicht so einfach zu übersetzen sind. Man hätte also etwas nachdenken müssen. Immerhin wurden einige Serien mit deutschen Untertiteln versehen, damit man wenigstens annähernd ahnt, worum es in der Serie geht. Schauen wir uns das doch mal an… und lästern wir ein wenig
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SIX FEET UNDER – GESTORBEN WIRD IMMER
“Zwei Meter tief”, “Unter der Erde” – wo ist das Problem? Der deutsche Untertitel wäre allein auch schon ein würdiger Titel für diese leicht morbide Serie.
WITHOUT A TRACE – SPURLOS VERSCHWUNDEN
Vollkommen überflüssig. Auch hier könnte der Untertitel allein als Serientitel herhalten, er übersetzt zwar nur sinngemäß, aber richtig. Oder man nimmt die korrekte Übersetzung “Ohne jede Spur”. Was ist daran so schwierig? Tut die deutsche Übersetzung weh?
CSI – DEN TÄTERN AUF DER SPUR
Im Titel der Serie erfährt der geneigte Zuschauer die Bedeutung der Abkürzung “CSI”: Crime Scene Investigation. Ich habe im letzten Eintrag schon darauf hingewiesen, dass die Franzosen diese Serie “Les Éxperts” nennen. Wie wäre es mit dem deutschen Titel “Die Ermittler”? Oder “Die Tatortermittler”? Oder wörtlich übersetzt “Tatortermittlung”? Wahrscheinlich geht noch mehr… man muss nur nachdenken. Aber so hätte man auch die Ableger entsprechend nennen können: “Tatotermittlung Miami” und “Tatortermittlung New York”. Übrigens wird auch in der Serie mit Anglizismen nur so um sich geworfen, wo sie nicht nötig sind. So war in “CSI: New York” neulich vom “Secret Service” die Rede – hätte es so viel Mühe gemacht, “Geheimdienst” zu sagen?
EMERGENCY ROOM – DIE NOTAUFNAHME
Das ist eine Lachnummer – die Serie heißt im Original nämlich einfach “E.R.”. Also wird der englische Titel eingedeutscht, indem man die Abkürzung einfach ausschreibt – und die wörtliche deutsche Übersetzung noch hintendran hängt. “Die Notaufnahme” – fertig.
SPACECENTER BABYLON 5
Noch eine Lachnummer… vielleicht sogar die größte. Die Serie heißt im Original einfach “BABYLON 5″ – ein Titel, der sogar international tauglich ist, weil er überall eigentlich gleich ist. Nur in Deutschland war man der Meinung, den dummen Zuschauern erklären zu müssen, was Babylon 5 eigentlich sein soll. Und man tat es, indem man dem Titel einen englischen Begriff vornanstellte, der auch noch falsch verwendet wurde: ein “Space Center” ist mitnichten eine Raumstation, sondern ein Raumfahrtzentrum auf einem Planeten, wie beispielsweise das bekannte “Kennedy Space Center”.
BATTLESTAR GALACTICA
Hallo??!? Diese Serie hatte schon mal einen deutschen Titel – was ist an “Kampfstern Galactica” auszusetzen?
LAW & ORDER
“Gesetz und Ordnung”, oder deutsch angepasst “Recht und Ordnung”. Nächster Fall, bitte!
FARSCAPE: THE PEACEKEEPER WARS
“Die Kriege der Friedenshüter” – die deutsche Übersetzung bringt das Paradoxon erst so richtig zum Ausdruck.
STARGATE
Ich weiß noch, an was ich bei dem Titel zum ersten Mal hängenblieb: Es war die Szene in dem ursprünglichen Kinofilm, in der Jackson die falsche Übersetzung des ägyptischen Textes über das fremde Objekt anmahnt. Er steht vor einer Tafel mit Hieroglyphen, unter die jemand eine Übersetzung geschrieben hat. “Das heißt nicht Sarg!”, sagte er und streicht das Wort “coffin” durch. “Und das heißt nicht Tür zum Himmel…”, hier streicht er die Übersetzung “door to heaven” durch. Die Spannung auf dem Höhepunkt. “…sondern…”, setzt er den Satz fort und während er über das durchgestrichene “door to heaven” das Wort “stargate” schreibt, sagt er in der deutschen Version… “Stargate!” Die Szene blieb mir deswegen hängen, weil hier die Diskrepanz so sichtbar wurde. Die ganze Zeit hantiert Jackson (bzw. seine deutsche Synchronsprecherstimme) mit deutschen Ausdrücken, aber wenn es um den wesentlichsten Begriff in dem Film geht, verfällt er ins Englische. Und so geht es weiter. “Was ist das?”, fragt Jackson, als ihm später das fremde Objekt präsentiert wird, “Das ist Ihr Stargate!”, kriegt er als Antwort.
Was das ist? Das ist ein STERNENTOR, verdammt!
COLD CASE – KEIN OPFER IST JE VERGESSEN
Sooooo… jetzt kommen wir in den schwierigeren Titeln. “Cold case” heißt wörtlich “kalter Fall” und umschreibt einen Kriminalfall, der ungelöst zu den Akten gelegt wird, um Jahre später nochmal aufgerollt zu werden. Das betrifft allerdings nur Mordfälle, da Mord nicht verjährt. Alle anderen Fälle werden nach Ablauf der Verjährung endgültig abgelegt, ob gelöst oder ungelöst. Hier ist der deutsche Untertitel wichtig zu erklären, um was es ungefähr geht. Irgendwelche Vorschläge?
CROSSING JORDAN – PATHOLOGIN MIT PROFIL
Das ist die härteste Nuss von allen, der Titel “Crossing Jordan” enthält nämlich ein makaberes Wortspiel. Die Hauptfigur der Serie heißt “Jordan” mit Vornamen, “crossing Jordan” kann man in dem Fall übersetzen mit “Jordan über den Weg laufen”. Aber es ist genauso eine Redewendung, die auf Deutsch bedeutet “über den Jordan gehen” (falls jemand diese Redewendung nicht kennt, es bedeutet so viel wie “sterben”, nur anders ausgedrückt). Das heißt, der Titel ist nicht übersetzbar, so dass das Wortspiel erhalten bleibt. Irgendwelche Meldungen aus dem Publikum?
Ich habe die letzten beiden Serien absichtlich mit hier rein genommen, damit niemand sagen kann, ich würde es mir zu einfach machen und nur Titel nehmen, wo die deutsche Übersetzung auf der Hand liegt. Ich behaupte auch nicht, dass es einfach ist, aber ich habe den Eindruck, manchmal macht man es sich zu einfach. Englisch klingt toll und es sprechen ja heutzutage so viele Leute Englisch, da kann man so einen Titel einfach mal unübersetzt lassen. Ja, es sprechen mehr Leute Englisch als früher – aber wie gut? Eine Untersuchung hat nämlich ergeben, dass nicht wenige Menschen denken, der Begriff “fast food” würde so viel bedeuten wie “Fast-Essen”, also “Beinahe-Essen”, weil es eben kein richtiges Essen ist, sondern nur “beinahe”. Die Frage ist also, versteht das Publikum unter einem englischen Begriff immer das, was es darunter verstehen soll?
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, die ich mal im Fernsehen aufgeschnappt habe, und die hierzu gut passt. Es war die Geschichte von einem Bayern, er kam aus München, glaube ich, der mit einem Freund zusammen die USA bereiste. Jener Bayer war der Meinung, das englische Wort “afraid” würde, da es, wenn man es bayerisch las, vom Klang her sehr an das deutsche “erfreut” erinnert, auch wirklich “erfreut” bedeuten. So begrüßte er Freunde, die er in den USA gemacht hatte mit den Worten “I’m afraid to see you.” Er dachte, er würde sagen: “Ich bin erfreut, Dich zu sehen.” Er sagte aber: “Ich habe Angst, Dich zu sehen.”
Ja ja, Englisch…
